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Deutsche Kosmos-Frauen

Deutsche Kosmos-Frauen

Beitragvon Astronist » Sa 4. Nov 2017, 12:05

Es ist eigentlich merkwürdig – nicht wahr? – daß ein halbes Jahrhundert nachdem Juri Gagarin den ersten bemannten Raumflug absolvierte, streiten deutsche Frauen noch um die Ehre, als erste Frau ihres Landes im Weltall zu fahren, wie Herr Schmaling in RC, Heft 97, berichtet hat.

Gut angebracht würde es sein, wenn heutzutage, jedes Jahr, hunderte oder schon gar tausende Männer und Frauen von allen Ländern nach orbitalen Hotels und Labors fliegen könnten.  Mit so einer Raumfahrtindustrie, würde eine permanente Basis auf dem Mond oder eine Reihe Explorationsmissionen nach dem Mars wenige Probleme stellen.  Doch es ist noch nicht soweit.  Auch schlimmer, die Raumfahrtagenturen zeigen wahrscheinlich wenig Interesse darauf.

Professor Hansjörg Dittus schreibt im RC-Editorial im gleichen Heft über einem "Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kommerzialisierung".  Was eigentlich für ein Spannungsfeld ist mir nicht klar, sondern im englischen Beilage "United Space in Europe" wiederholt sich das selbe Kommentar, und hier heißt es "conflict" (Konflikt) und "contradiction in interests" (Widerspruch der Interessen).  Das ist doch merkwürdig.  Es gibt viele Beispiele der Zusammenarbeit der Wissenschaft mit der Kommerzialisierung, besonders vom 19. Jahrhundert, und Prof. Dittus weiß ohne Zweifel, dass die Möglichkeiten für wissenschaftliche Missionen heute so verringert sind, weil die Startkosten so hoch sind, welches auf die geringe Anzahl der Starts pro Jahr zurückzuführen ist, und folglich auf die nicht-Wiederverwendbarkeit der Raketen.

Mit dem Herrn Doktor Gerd Gruppe auf der nächsten Seite geht es anders, und vielmehr besser: er versteht, dass ein "erfolgreiches Geschäftsmodell" unentbehrlich ist, gibt aber wenige Einzelheiten.

Doch zu dieser Zeit sollte es klar sein: um Fortschritt in der Weltraumfahrt zustande zu bringen, muss die nächste bedeutende Phase der Kommerzialisierung mit dem Passagierverkehr nach Orbit und zurück auf die Erde zu tun haben.  Leider haben die Weltraumbehörden wenig Erfolg gehabt.  Im Jahre 1985 flogen insgesamt 63 Menschen von den USA und Rußland ins All.  31 Jahre später, im 2016, flogen bloß 14 Menschen – von diesen zwei Ländern, und dazu auch von Europa, Japan und China!  Das heißt, die Raumfahrt hat sich noch nicht vom Challenger-Unglück geheilt.  Wir brauchen eigentlich ein neues Geschäftsmodell!

Die ISS hat gut gezeigt, im Zeitrahmen 2001-2009, dass reiche Leute hohe Preise zahlen wollen, um einen Aufenthalt in einer Erdumlaufbahn zu genießen.  Die erste Frage, die ich den europäischen Weltraumbehörden stellen möchte, heißt daher: was macht die ESA, um private Kunden auf die ISS nochmal zu locken?  Und die zweite Frage: welche europäische Firmen entwerfen wiederverwendbare Raketen und Raumschiffe, die endlich eine Massenkundschaft bedienen könnten?  (Reaction Engines in Großbritannien, natürlich, aber in Deutschland?)  Mit täglich Starts ins All, zu verringernden Preisen?  Für Universitätsforscher, Herstellungsbetriebe, und besonders für Weltraumtouristen?

Oder soll die Vereinigten Staaten (d.h. SpaceX, Blue Origin und Bigelow Aerospace) allen Fortschritt selbst machen, und Europa nur warten, und träumen von Mondsiedlungen, die sie sich nicht leisten kann?

Mit besten Grüßen aus Oxford, Großbritannien.
Astronist
 
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